2. Liga: Saisonvorschau
Die Carreisen waren unterhaltsam, jetzt gibt es wieder Derbys für die Härkinger
Nach dem Abstieg aus der 2. Liga inter gehören Jan Marti und der FC Härkingen in der höchsten Regionalliga automatisch zu den Gejagten. Können die Härkinger an die Meistersaison 2024/25 anknüpfen?
Exakt 149 Pflichtspiele hat Jan Marti für den FC Härkingen in den vergangenen sieben Saisons bestritten. Nur vier Meisterschaftsspiele hat er seit seinem ersten Zweitliga-Spiel im August 2019 verpasst. Im Vorjahr gewann er mit den Härkingern den Solothurner Meistertitel und den Cup. Er kam in der Saison 2024/25 in jedem Spiel zum Einsatz, erzielte in der Liga zwölf Tore und traf beim 6:3-Sieg im Cupfinal gegen den FC Subingen zum zwischenzeitlichen 2:0.
Marti ist technisch versiert, schnell und verfügt über eine gute Spielübersicht. Fünf Saisons lang spielte er im zentralen Mittelfeld, bis ihn Trainer Ogulcan Karakoyun zum Flügel umfunktionierte. «Seither weiss ich, dass ich noch recht schnell bin», sagt er lachend, «ich fühle mich sehr wohl auf dieser Position.»
Dies untermauerte er in der Meistersaison mit starken Leistungen. «Ich durfte schon viele schöne Momente erleben mit dem FC Härkingen, aber der Cupfinal 2025 gegen Subingen ist wohl das grosse Highlight», blickt er auf die letzten sieben Jahre zurück. «Das war einfach ein perfekter Tag. Der Match war spektakulär und unsere zahlreichen Fans machten so laut Stimmung, dass wir uns auf dem Spielfeld kaum noch verstanden. Das ist unvergesslich.»
Das Niveau in der 2. Liga inter hat ihn überrascht
Noch lange in Erinnerung bleiben wird ihm auch das sechste Saisonspiel auf dem Weg zum Meistertitel 2025. An seinem 23. Geburtstag schoss Marti die Härkinger mit einem Tor in der 97. Minute zum 2:1-Auswärtssieg in Mümliswil. «Sehr speziell war dann auch der Sieg in der drittletzten Runde in Biberist, als wir wussten, dass wir Meister sind, wenn wir keine Strafpunkte mehr holen. Da haben wir ein erstes Mal ziemlich gefestet in der Kabine.»
Die 2. Liga inter war für die Härkinger dann aber doch eine Nummer zu gross. Sie holten in 26 Spielen 21 Punkte und verpassten den Ligaerhalt am Ende um zwei Zähler. In der Vorrunde schauten 7 Punkte heraus, in der Rückrunde deren 14. Mit nur 31 Toren stellten die Härkinger die schwächste Offensivabteilung ihrer Gruppe.
«Wenn man absteigt, kann man nicht zufrieden sein. Es war eine lehrreiche Saison mit vielen Hochs und Tiefs. Wir haben nie aufgegeben, leider reichte es nicht», bilanziert Marti, der in 24 Spielen eingesetzt wurde und 4 Tore erzielte. Er sei überrascht gewesen vom grossen Niveau-Unterschied zwischen der Amateurliga und der 2. Liga: «Das Tempo ist viel schneller, es geht ein bisschen härter zu und her als in der 2. Liga und jeder Fehler wird knallhart bestraft.»
Trotz des Abstiegs gab es in der vergangenen Spielzeit aber auch die schönen Momente. Allen voran das Spiel im Schweizer Cup gegen den FC Schaffhausen aus der Promotion League. «Ein toller Match vor einer grossartigen Kulisse», sagt Marti und schiebt nach: «Auch in der Meisterschaft gab es Highlights, der erste Sieg gegen Cham zum Beispiel oder die Reisen mit dem Car ins Tessin. Die waren immer sehr unterhaltsam und ganz spezielle Erlebnisse.»
Schmäleres Kader, aber noch die gleiche Qualität
Jetzt ist der FC Härkingen zurück in der 2. Liga. Mit Enrico Peier, Rinor Avdyli, Kennedy Joao, Nemanja Bajinovic, Loris Schwegler und Philip Bolliger verliessen sechs Spieler den Klub. Neu dabei im Team sind Niroj Poopalasingam (vom FC Niederbipp), Denis Kostadinovic (FC Klus/Balsthal) und Ousman Dumbuya (Ausland) sowie vier eigene Junioren. Das Kader sei etwas schmäler als im Vorjahr, kommentiert Marti die Mutationen: «In der 2. Liga inter sind wir mit 24, 25 Spielern gestartet. Jetzt sind wir etwas schmäler aufgestellt. An Qualität haben wir deshalb aber nicht verloren.»
Der FC-Basel-Fan, der in der Jura AG in Niederbuchsiten als Technischer Laborant arbeitet, sieht einige Kandidaten für den Meistertitel: Lommiswil und Iliria erwartet er vorne, vielleicht auch Olten und Subingen. Haben die Härkinger das Double wieder ins Visier genommen? «Das wäre schön», antwortet Marti, «wir wollen auf jeden Fall ganz vorne dabei sein. Ich habe die 2. Liga im letzten Jahr allerdings nicht genau mitverfolgt und kann die Gegner nicht so gut abschätzen.»
So viel spielen wie möglich und die Effizienz vor dem gegnerischen Tor steigern – das hat sich Jan Marti für die neue Saison vorgenommen. Er freut sich darauf, dass es nun wieder ein Derby gegen den SC Fulenbach gibt. «Auch Kappel und Hägendorf sind nicht weit weg, es sind alles Derbys», sagt er. Ob er lieber in der 2. Liga oder in der Amateurliga spielt, kann er nicht abschliessend beantworten: «Vom Tempo und vom Taktischen her ist die 2. Liga inter attraktiver, aber die 2. Liga ist halt regional, du musst weniger reisen und hast einen Bezug zu den Gegnern, was schön ist.»
Quelle: Oltner Tagblatt (Raphael Wermelinger)